world wide wheeling: Lima / Peru

Donnerstag, 31. Januar 2013

die Idee: eine Fahrrad-Tour um die Welt
die Teilehmer: alle Blogger, die gern dabeisein wollen
das Gepäck: Erfahrungen & Eindrücke rund ums Fahrrad von überallher
die Route: noch offen, bestimmen die Teilnehmer
der Zeitplan: seit Dezember 2012 - solange es uns gefällt
die erste Etappe: Myanmar (Burma)

...und was dann kam, hat mich die letzten Wochen neben der normalen Bloggerei ziemlich auf Trab gehalten. Wow! Mit so viel Feedback hatte ich erstmal nicht gerechnet. Fast täglich kommen Anfragen und Zusagen für mein Projekt und darüber freu ich mich megadoll! Das wird ne super spannende Tour - und heute kommt die zweite Etappe: 
Ariane von heldenwetter, bei der aktuell das Projekt Fernweh mit wirklich interessanten Gastposts über´s Reisen läuft, nimmt uns mit nach Peru:
"world wide wheeling" - unsere Fahrrad-Tour um die Welt -
führt uns nach Lima / Peru

Irgendwie war meine Idee ja von Anfang an ein wenig hirnrissig. Fahrrad fahren in Lima?! Es hätte mir ja theoretisch gleich auffallen können, dass sich auf den Straßen der 10-Millionen-Stadt zwar tausende und abertausende von Autos, Taxis, Bussen, Motorrädern und Mototaxis tummelten, aber kein einziges Fahrrad. In Miraflores, an der Küste, sah man ab und an Räder, vor allem an Sonntagvormittagen, an denen eine große Straße beidseitig gesperrt war, damit dort fleißig gesportelt werden konnte. Da gab es Radler, neben Inlineskatern, Joggern und Leuten, die auf der Straße Volleyball oder Tennis spielten. Und sogar einen kleinen Stand, an dem man sich Fahrräder ausleihen konnte. Aber das Im-Kreis-Fahren im Park oder einmal pro Woche auf einer größeren Straße, war mir natürlich nicht genug: Ich wollte ein Fahrrad, um von A nach B zu kommen. So wie in meiner deutschen 130.000-Einwohner-Stadt. Oder anders gesagt: Von meiner Wohnung zu meiner Arbeit. Wozu sonst gab es dort einen Radweg?!
Da meine deutsche Mitbewohnerin von der Idee ebenso begeistert war, machten wir uns erst mal auf die Suche nach einem Fahrradgeschäft. Im Internet stießen wir auf einen Tipp und fuhren gleich los. Das „Fahrradgeschäft“ hätte unseren Erwartungen, glaube ich, nicht weniger entsprechen können. Anstatt eines Gebäudes oder einer Lagerhalle war das „Bicicentro“ einfach ein Block einer Straße, in der es rechts und links verschiedene kleine Geschäfte gab. Reifen lagen neben verbeulten Rahmen, verschiedene Lichter neben kaputten oder halbkaputten Pedalen, Blechschrott neben Lack in allen Farben. Und überall Leute, die mit ölverschmierten Händen und Gesichtern an irgendwelchen Rädern herumschraubten. Da ich gerade erst mal zwei Wochen im Land war, fühlte ich mich wirklich wie im falschen Film – und verwarf innerlich schon mal den Plan, irgendwo in dem Chaos noch ein Fahrrad zu finden.
Trotzdem gingen wir erst einmal eine Runde, erkundigten uns nach verschiedenen Preisen, hoffend, dass uns niemand komplett übers Ohr hauen würde. Und tatsächlich, da war es: mein Traumfahrrad. Knallrot und perfekt für meine Körpergröße. Und der Preis ließ mich große Augen machen – umgerechnet knapp 20 Euro. Okay, das Rad war vermutlich aus verschiedensten Einzelteilen sonstwelcher Herkunft zusammengeschraubt und ein wenig schwer zu treten... glücklicherweise war der Verkäufer aber so nett, die Bremsen so zu reparieren, dass ich damit sogar anhalten konnte... In der Zwischenzeit hatte ich die Gelegenheit, mir ein blinkendes rotes Licht und ein Zahlenschloss zu kaufen. So würde mich in Zukunft hoffentlich keiner überfahren oder beklauen. Das einzige, was ich bei der kompletten Aktion irgendwie außer acht gelassen hatte, war, wie ich wieder heimkommen sollte. In den Bus, mit einem Rad? Unmöglich. Mittlerweile war es auch schon dunkel geworden und der Feierabendverkehr hatte sich eingestellt. Schon ein ganzes Stück von der großen Straße, die auch zu unserer Wohnung führte, hörten wir es. Trubel, Hupen, Geschrei, Musik, Auspuffgeräusche, der typische Lima-Verkehrslärm eben. Kein gutes Zeichen.

Ich will gar nicht genau ausführen, wie ich mich durch den Verkehr geschlängelt habe, wie viele Angstschweißtropfen mir dabei den Rücken hinuntergeflossen sind, wie oft ich mir dachte „Jetzt ist es vorbei!“, als mal wieder ein Bus unerwartet direkt vor mir nach rechts zog – nur so viel: Wir haben eine geschlagene Stunde nach Hause gebraucht. Für eine Strecke von ca. acht Kilometern. (Wobei ich dazu sagen muss: Wir waren wahrscheinlich trotzdem noch schneller als mit dem Bus.)
Mein Rad hab ich dann fleißig fast jeden Tag für die kurze Strecke zur Arbeit benutzt, auch wenn mich der Großteil der Leute wahrscheinlich für komplett bescheuert hielt. Peruanische Auto- und vor allem Busfahrer sind irgendwie noch nicht so sehr an Radfahrer gewöhnt... aber durch zahlreiche Fast-Unfälle blieb es wenigstens spannend ;) Meine Mitbewohnerin und ich stellten unsere Räder immer vor der Arbeit ab und schlossen sie an einen Baum an. Das ging auch immer gut, bis wir einmal spontan mit unseren Chefinnen wegfuhren und bis zum nächsten Morgen keine Möglichkeit mehr hatten, die Räder zu holen. Und als wir dann kamen – waren sie weg. Irgendwie hatten wir eh schon damit gerechnet, und statt über den Verlust ärgerten wir uns tausendmal mehr darüber, dass wir nun ein zweites Mal ins Centro würden fahren müssen (und wie oben beschrieben, wieder heim), um neue Räder zu kaufen. Aber es kam natürlich wieder anders – am Nachmittag eröffnete uns Pedro, der Portier des Gebäudes, er hätte unsere Räder draußen stehen sehen, und da sie so ungeschützt (Hallo?! Abgesperrt!!) waren, hätte er sie in den Innenhof getragen. Puh, was für eine Erleichterung!
Aber die Meinung, dass Fahrradschlösser keine sichere Möglichkeit seien, ein Rad zu sichern, schien irgendwie verbreitet zu sein. Eines Tages brachte uns unsere Vermieterin eine zwei Meter lange Metallkette, die wir doch von nun an zum Absperren verwenden sollten. Öhm ja, siehe Foto.
Nach drei Monaten Peru bin ich dann in einen anderen Stadtteil gezogen, von wo aus ich mein Rad nur noch ab und an ausführen konnte, und nochmal drei Monate später, nach meinem zweiten Umzug, hab ich es dann gar nicht mehr benutzt. Grund dafür war einfach, dass es in dem Stadtteil, in dem ich am Ende wohnte, so gut wie keine Radwege gab – und ich mein Leben wirklich nicht unnötig aufs Spiel setzen wollte, um auf der Straße mit Bussen, Motorrädern und Taxis zu konkurrieren ;) So endete dann meine Fahrradgeschichte in Peru.
Ariane

Wuuh! Ganz schön mutig, sich mit dem Fahrrad in dieses Verkehrschaos zu wagen. Ein ganz lieber Dank an Ariane, dass sie diese Erfahrungen hier mit uns teilt! Und an alle anderen: schaut auf ihrem Blog vorbei, es ist einer meiner Lieblingsblogs und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
*
Habt ihr schon das Logo zu unserer Fahrrad-Tour um die Welt entdeckt? Rechts in der Sidebar... - hier ist es nochmal etwas größer:

Japp, da war ich mal wieder ein bisschen kreativ. Ihr dürft euch das Teil gern schnappen und auf eurem Blog verlinken, damit möglichst viele Blogger auf dieses Projekt aufmerksam werden.
Und ja: ihr dürft mir gern eine Mail schicken (diefahrradfrau@gmail.com), wenn ihr auch irgendwas von irgendwoher zum Projekt beitragen wollt.
Und nochwas: für die Updates zu unserer Tour gibt´s nun eine eigene Seite mit allen Informationen rund um dieses Projekt. Ihr werdet euch wundern, was in nächster Zeit bei world wide wheeling so alles geplant ist...

Anregungen, Wünsche, Ideen usw. - ich nehm alles!
Spart nicht mit euren Kommentaren!

Bis bald!
diefahrradfrau

Blogvorstellungen bei: 
do you feel it -nllkrg - lifetime-inspiring impression
Fotowettbewerb bei fortuna mira est

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Was für eine coole Idee!!! Ich bin gespannt, was noch kommt... Liebe Grüße, Anette

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  3. Klasse, mit dem Fahrrad durch Lima- Wahnsinn! Aber spannend auf jeden Fall!
    Vielen Dank noch für Deinen Kommentar...da fällt mir ein, ich wollte doch auch an der Tour teilnehmen...ich geh mal Fotos suchen!
    Liebe Grüße
    Sabine

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  4. Das ist eine sehr schöne Idee, ich kann zwar nichts beitragen, aber ich werde die Augen ofenhalten und immer mal reinschauen. LG Gitta

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  5. Iiiiih das ist spannend, ich bleibe dran! Ein chorbji voller lieber Grüsse sende ich dir!
    Fabienne

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  6. Das Projekt ist ja eine super schöne Idee!
    Ich werds weiter verfolgen :)

    Lieben Gruß
    Sarah
    http://sapri-design.blogspot.de/

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  7. Hi, danke für Deinen Gruß auf meinem Blog.
    Ich mag das Radfahren auch sehr - bisher habe ich aber "nur" eine Radwanderung gemacht. Den Bodensee-Königssee Radweg - wunderwunderschön!!! Empfehlenswert!
    Aber Südamerika ist auch schön ;-)
    Liebe Grüße Dani Ela

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  8. Ein toller Bericht, spannend und anschaulich erzählt. Dabei ist mir eine Begebenheit eingefallen. In Tehran, ebenfalls eine Stadt mit über 10 Mio. Einwohnern, sieht man so gut wie keine Radfahrer, schon gar keine Frauen. Eines Nachts so gegen zwei Uhr auf dem Weg zum Flughafen, begegnete uns ein junges Paar beide auf Rädern, brausen sie durch die Nacht. Freude pur in den Gesichtern.
    Lieben Gruß
    Sabine

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    1. Ach, solche kleinen Geschichtchen liebe ich ja!

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