langsam

Samstag, 14. Januar 2017

Mit Bedacht habe ich die Überschrift gewählt: langsam. 
Ein Wort, das so harmonisch und wohltuend klingt wie das, was es meint: langsam.
Sag es einmal - ganz langsam - und spüre, wie es sanft über die Zunge gleitet, um dann mit einem weichen "Mmmh..." auf den Lippen liegen zu bleiben, mit der angenehmen Süße von Zeit. 
Zeit zum Langsamsein.



Langsamsein, im Einklang mit der eigenen, inneren Uhr sein und tun - ist das nicht ein elementares, menschliches Bedürfnis? Eines, dem wir in dieser sich scheinbar immer schneller drehenden Welt viel zu wenig Beachtung schenken, weil es ständig irgendwas zu tun gibt? Langsamsein ist out, alles geht und alles geht schnell. 
Aber spüren wir nicht doch, wenn auch etwas unbestimmt, hin und wieder das Bedürfnis ... nach Langsamkeit?



Ist es vielleicht auch manchmal so, dass wir unser Bedürfnis nach etwas weniger Tempo unterdrücken, weil wir es als unpassend oder sogar störend empfinden? Weil wir schnell sein wollen/können/müssen in dieser schnellen Zeit? Langsamkeit ist eher mit negativen Attributen belegt: wer langsam ist, kann nicht mithalten, ist überfordert, gilt als schwach.
Mmmh, ist Langsamkeit tatsächlich eine Schwäche? Ich behaupte jetzt einfach mal das Gegenteil: Langsamkeit ist eine Stärke - auch und gerade in unserer schnelldrehenden Welt!




Bis zu dieser Erkenntnis brauchte es allerdings so einige Fahrradstunden ... 
Ich liebe es ja, gemütlich durch die Gegend zu radeln, einfach drauflos und ohne bestimmtes Ziel. Schon oft habe ich davon erzählt, wie schnell(!) ich beim langsamen(!) Herumradeln alle Hektik hinter mir lassen, Ruhe finden und Kraft sammeln kann für den Alltag. Gut so.



Was aber - so ging es mir durch den Kopf - wenn man nicht nur die Kraft aus der Langsamkeit mitnähme in den Alltag, sondern die Langsamkeit selbst? 

Oh, ich kann schon hören, wie nun einige sagen: "Das geht nicht! Der Job, die Termine und überhaupt: wer langsamer wird, kann doch gar nicht mehr alles schaffen!?!" - Aber genau darum geht´s: Was wollen/können/müssen wir eigentlich "schaffen"? Was packen wir eigentlich alles in unser Leben oder lassen es von außen hineinpacken? Was tun wir und warum? Und wie geht es uns damit?

Schon die Auseinandersetzung mit diesen Fragen macht das Leben langsamer. Und es macht gar nichts, wenn wir durch bewusstes und langsames Tun "gar nicht mehr alles schaffen", denn das müssen wir gar nicht. 
Die Lösung liegt im Weglassen: durch bewusstes und langsames Tun tritt Unwichtiges und Zeitraubendes in den Hintergrund. Wir entscheiden, wofür wir uns Zeit nehmen - und wofür nicht. 



Was will/kann/muss ich? Jeder wird hier seine eigenen Antworten finden - und mit jeder Antwort auch ein Stückchen mehr sich selbst. Ein stärkeres Selbst, mit Mut zum Langsamsein und daraus wachsender Kraft. 
Meine Antworten finde ich oft draußen, beim gemütlichen Herumradeln in der Natur, die mir in ihrer wunderbaren Gleichmäßigkeit übrigens auch immer wieder bewusst macht, dass die Welt sich ja eigentlich immer gleich schnell dreht. Oder langsam.

*

Mehr Langsames:
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immer schön langsam

Langsam mit Kindern:
fünf
treiben lassen
raus zur Ruhe

Bis bald!
diefahrradfrau

geteilt mit a new life und achtsam durch den Tag

Kommentare:

  1. Das sind wunderschöne Bilder....entschleunigt. Wundervoll...der Titel paßt.
    Liebe Grüße
    susa

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  2. Als Kind sagte ich immer : Langslam....
    Danke für den Gedankenanstoss.... Ich fliege immer mit dem Wind
    Herzlichst
    yase

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  3. oft macht man zuviel zuschnell zuoft ... langsam die richtige dinge zu entdecken ist bestimmt wichtiger * gut deine bilder hier langsam zu bewundern um nachzudenken... kleine pause am abend *
    lieber gruss !

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  4. 'langsam'kommt die sonne wieder...bises

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  5. Ach, schön, liebe Christiane, deine Variationen über die Langsamkeit. Und dein Post hilft mir gerade ganz aktuell, mal wieder meine Ansprüche (an mich selbst) zurückzuschrauben und morgen den Sonntag nicht (nur) zum Putzen und Räumen zu missbrauchen ;-). Liebe Grüße Ghislana

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  6. Hallo Christiane!

    Was für ein wundervoller Beitrag. Ich habe mir ganz bewusst Zeit genommen und ihn ganz langsam und genussvoll gelesen. Soviel Zeit muss sein finde ich! Genau das ist das Schöne an der Langsamkeit, erst dadurch erkennen und sich bewusst entscheiden, was ich gerade möchte.

    Wie schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diese Gedanken mit uns zu teilen. Danke fürs Verlinken zu "achtsam durch den Tag"!

    lg
    Maria

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  7. wunderschöne Bilder..
    jaa.. Langsamkeit und auch Bedächtigkeit sind heute nicht mehr gefragt..
    aber früher wohl auch nicht..
    denn irgendwoher muss ich ja meinen Spitznahmen " Schnecke" bekommen haben ;)
    die Dinge langsam und mit Bedacht angehen..
    das ist eine Kunst ;)
    liebe Grüße
    Rosi

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  8. Ein toller Post, liebe Christiane, und mit wunderschön dazu passenden Aufnahmen unterlegt. Ich werde ganz ruhig, wenn ich deinen Text lese. Ich mochte das Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit" sehr - und die Botschaft darin. Leider lasse ich mich auch immer wieder mitreißen vom Strom - kein Wunder: Versuch' einmal zur Berufstätigen-Stoßzeit in einer Wiener U-Bahn-Anlage langsam von einer U-Bahn-Station zur nächsten zu gehen; dabei wirst du von der Masse hinter dir überrollt und von den Entgegenkommenden niedergemetzelt. Mein Herz, das beim Lesen deines Textes ganz ruhig geworden ist, wurde beim Schreiben der oberen Zeilen ganz holperig, denn dieses Gehetze macht meinen Alltag aus. Einmal hin und einmal zurück. Manchmal möchte ich mich einfach an eine Mauer in der U-Bahn-Station lehnen und heulen... Aber ich tu's natürich nicht, denn das alles kostet Zeit...
    Danke fürs Verlinken bei ANL - passt perfekt!
    Alles Liebe, Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2017/01/namibia-teil-6-sandwich-harbour-und.html

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  9. Jetzt am Abend habe ich mir die Zeit genommen und deine wunderschöne Blogstory ganz langsam zu lesen und zu genießen. Einfach herrlich geschrieben.

    Liebe Grüße

    Andrea

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  10. … schwierig in der Grossstadt – aber nicht unmöglich.
    Herzliche Grüße!

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  11. dein blog gefällt mir sehr gut! du hast ja so recht. langsam sein ist out. am besten noch multitasking, dann ist man angesagt. ich kann das nicht mehr. ich merke, dass ich mich bei dem tempo immer wieder selbst verliere. langsam ist ein gute ansatz.
    liebe grüße patricia

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Vielen Dank für deinen Kommentar!